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Impro-mini-Workshop: Vertiefung

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EinstiegShow-Formate

Imagination & Behaupten

Die Idee das Umfeld einer angebotenen gestischen Haltung durch die Antwort auf die Fragen Wo, Wer und Was zu erfinden, ist uns bereits aus dem 1. Teil der Übung ocean of ideas vertraut. Wir wollen nun unserer Neugier nachgeben und die Bilder zum Leben erwecken. Wie in einem Ping Pong Spiel, werden die beiden Spieler die Angebote wie Bälle hin und her werfen, solange bis sich beide in der gleichen Spielrealität, im gleichen Wo, Wer und Was befinden. Das Spiel besteht darin, immer nur soviel Informationen hinzuzufügen, dass es für beide spannend und offen bleibt. Der berühmte Einstiegssatz: "Hallo Mutter, schön dass wir hier in deiner Küche wieder Kuchen backen!" lässt den Improspielern kaum Spielräume. Andererseits ist es jedoch auch wichtig konkreten Input zu geben, damit die Spieler in der Szene nicht "schwimmen" und orientierungslos dahinimprovisieren.

Paarübung: A und B stehen sich gegenüber. A macht B ein gestisches Angebot. B beantwortet für sich die Fragen nach Wo? Wer? und Was?, er definiert den Kontext des Angebotes, entscheidet sich für eine momentane Spielrealität Dann steigt B in das Bild ein, er spielt A an. B versucht in seinem Spiel A zu vermitteln welches Wo, Wer und Was er gesehen hat. A wiederum interpretiert was gespielt wird und reagiert indem er die Szene, das Wo, Wer und Was in die Richtung erweitert in der er es gesehen hat Das geht alles sehr schnell und meist unbewusst - doch all dies läuft in dieser Übung ab. Ihr könnt den ganzen Bühnenraum, euren ganzen Körper und soviel Sprache wie nötig gebrauchen. Die kurze Übungssequenz ist immer dann beendet wenn beide das gleiche Wo, Wer und Was erspielt habt. Überprüft dies kurz nach jeder Sequenz bevor ihr den nächsten Versuch startet.

Es gibt zu jedem gestischen Angebot mindestens zwei unterschiedliche Perspektiven und damit auch unterschiedliche Spielrealitäten:

  1. parallele Perspektive: A und B befinden sich in der gleichen Situation, A und B stehen nebeneinander, d.h. B hat das gestische Angebot von A kopiert. Beide meistern die Situation zusammen.
  2. komplementäre Perspektive: A und B stehen sich gegenüber, d.h., B spielt die komplementäre Figur, das Pendant, um somit A zu vermitteln, welches Wo, Wer und Was gesehen wurde. Komplementäre Figuren können z.B. sein: Lehrer / Schüler, Chef / Angestellte, Vater / Sohn, König / Ritter, Held / Bösewicht usw.
Der folgende Videoclip zeigt euch ein Bespiel mit zwei unterschiedlichen Szenen, ausgehend vom einem gestischen Angebot. Probiert nun in der Fortführung der Übung diese beiden Perspektiven selbst aus.

Ist das so schwierig?

Major-Minor Swap

Das Modell von "Major und Minor" beschreibt unterschiedliche Spielerhaltungen in der gemeinsamen Improvisation, die ein dialogisches Zusammenspiel erst ermöglichen. Major ist derjenige Spieler, der momentan im Focus einer Szene, einer Aktion ist, den Ball gerade spielt. Im gleichen Moment ist der Partner in der Haltung des Minor; er gibt Focus, lässt Raum, nimmt genau wahr was geschieht und ist jederzeit bereit den Ball, die Szene, den Focus zu übernehmen. Beide sind ein Team; wie bei einer Wippe wechseln die Spieler immer wieder zwischen Major und Minor.

Paarübung: A beginnt als Major eine Aktion im Raum, B steht still und beobachtet A. Sobald A stehen bleibt, den Focus an B abgibt, regiert B auf die Aktionen von A wiederum mit Bewegungen im Raum. Gibt B den Ball wieder ab, ist A wieder am Zug.
Vermeidet Sprache! Arbeitet nur mit Körperbewegungen im Raum! Spürt immer der Wirkung nach, welche die Bewegung eures Partners im Raum auf euch hat Reagiert auf diese Veränderungen.

Und? Ist das nicht spannend?

Reincorporation

"Geschichten improvisieren ist wie Autofahren und dabei nur in den Rückspiegel zu schauen", so ein Zitat von Keith Johnstone. Da wir in der Improvisation die Zukunft der Geschichte nicht kennen, nicht vorausschauen können, sind diejenigen Informationen, Gegenstände und Figuren von Bedeutung die wir bereits hinter uns in der Geschichte etabliert haben. Nur auf diesen, für Zuschauer und Mitspieler wahrnehmbaren Fakten, kann unsere laufende Geschichte aufgebaut werden. Diese Fakten müssen im Verlauf der Geschichte wieder aufgegriffen werden - wer ist die Hauptfigur, was ist das Versprechen der Geschichte, worum geht es, welche Informationen wurden mitgeteilt die auch später noch relevant sind. Rückbezüge müssen immer wieder geknüpft werden, um der gesamten Improvisation eine innere Logik zu geben, um die Geschichte sinnvoll und organisch wachsen zu lassen.

Paarübung. B sammelt einige Gegenstände, die A nicht sieht, legt eine bestimmte gerade Wegstrecke fest, die A beim Erzählen der folgenden Geschichte rückwärts gehen soll. A soll eine Geschichte neu erfinden, die in der Vergangenheit passierte, also bereits abgeschlossen ist. B kann A zur Inspiration einen Titel für die Geschichte geben.

Und? Wie fühlt sich das an?

Dreisatzgeschichten

Improvisierte Geschichten müssen einer bestimmten Dramaturgie folgen, damit sie uns als Zuhörer oder Zuschauer glaubwürdig, authentisch oder auch logisch erscheinen. Das bedeutet nicht, dass unsere Geschichten immer exakt die Wirklichkeit abbilden müssen. Wie wir wissen, werden in Geschichten durchaus neue Welten und Spielrealitäten erschaffen, die scheinbar nichts mit unserer Welt gemeinsam haben.

Doch die Dramaturgie aller Geschichten die wir erzählen und hören entspricht bestimmten Wahrnehmungsmustern unserer Kultur. Wo immer Menschen sich Geschichten erzählen, tauchen immer wieder die gleichen dramaturgischen Elemente auf.

Eines der einfachsten dramaturgischen Modelle des Geschichtenerzählens ist der so genannte Dreisatz. Dieses Modell soll uns in der Improvisation wie ein Kompass zu unserer Orientierung dienen. Der Dreisatz soll uns darüber informieren, wo wir uns gerade befinden und wohin wir uns weiterbewegen. Der Dreisatz führt uns durch drei unterschiedliche Schritte oder Phasen.

In der folgenden Übung "Dreisatzgeschichten" wollen wir uns unserem intuitiv richtigem Gefühl für diesen Dreisatz nähern.
Denkt immer daran, ihr seid Experten im Geschichten zuhören und sehen; also seid ihr auch schon Experten im Geschichten finden.
Tipp: Ihr sollt euch keinen Literatur-Nobelpreis erkämpfen. Versucht eurer Gefühl für interessante Geschichte wieder zu entdecken. Die guten Geschichten kommen aus dem Bauch und nicht aus dem Kopf!

Und das soll mir helfen?

Lotus

Lotus verbindet lineare Elemente des Storytelling mit assoziativen Elementen des Haralds. Idee des Lotus ist, drei Geschichten, die jede für sich linear weitergeführt wird, untereinander assoziativ zu verknüpfen. Der Focus wandert über mehrere Runden von Geschichte zu Geschichte. Die Spieler sollen einerseits die einzelnen Geschichten vorantreiben und gleichzeitig Querverbindungen erkennen.

Gruppenübung, mindestens 6 Spieler: Alle Spieler stehen "offstage". Ein Begriff, eine Vorgabe inspiriert Szene A. Es spielen diejenigen Spieler in Szene A, die eine erste Idee haben. Alle Regeln des Storytelling sind wirksam. Die übrigen Spieler beobachten aufmerksam Szene A und holen sich aus der laufenden Szene eine Inspiration - einen Begriff, ein Thema, ein Bild oder ähnliches. Hat einer der außenstehenden Spieler eine Idee, so ruft er laut "Szene", die Besetzung von Szene A geht ab und Szene B startet. Die übrigen Spieler beobachten aufmerksam Szene B und holen sich eine Inspiration. Es wird wieder von außen "Szene" gerufen und mit dieser neuen Idee Szene C gespielt. Die Szenen A, B und C sind völlig unterschiedlich. Auch Soloszenen sind möglich.

Während Szene C läuft, beobachtet das Team der Szene A aufmerksam das Geschehen auf der Bühne. Sie holen sich eine Inspiration, einen Begriff, ein Thema. Mit einem großen Advance, treiben sie ihre Geschichte inspiriert von Szene C voran. Bitte führt die Geschichte nicht am Ende der Szene A in der 1. Runde fort, sondern macht große Sprünge. Das Figurenpersonal der Szene A kann sich auch verändern. Während die 2. Runde Szene A läuft, holt sich das Team von Szene B eine Inspiration und initiiert die 2. Runde von Szene B. Ebenso Team C für Szene C.

Eine dritte Runde durch alle Szenen verdichtet das Ganze. Schon in der 2. Runde können Querverbindungen entstehen. Eine Querverbindung kann sein, dass bestimmte Figuren mit anderen 5zenen in Verbindung stehen oder auftauchen können.
Die Zuschauer, wie auch die Spieler spüren diese Verbindungen intuitiv, meist bevor sie ausgespielt werden. Auch Schauplätze laden zu Querverbindungen ein. Ebenso sind unterschiedliche Zeitebenen möglich.

Und das funktioniert?

EinstiegShow-Formate
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»Von Könnern für Könner – Impuls-Theater-Verlag«
Impuls-Theater-Verlag
22. November 2017, 23:04 Uhr
info@theaterverlag.eu
http://theaterverlag.eu/27.Impro-Workshop.html?lc%5Bshow%5D=vertiefung&PHPSESSID=afb68a62e13502bb646815aaf3ade5db
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