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Improliga Rundbrief: 1. Quartal 1997

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Protokoll zum Runden Tisch am 21./22.3.1997 in Mönchszell bei Heidelberg (leicht gekürzt)

Teilnehmer: DramaLight, Steife Brise, 6 auf Kraut, Neckarwerke, Harlekin Tübingen und Emscherblut

Wir wollten reden über:
1. Form und Inhalt (neue Spielformen, Maestro, wieviel Jokes braucht ein Match, Schiedsrichter, Moderation, Gagen,...)
2. Festival / Meisterschaft (Alternativen, ausländische Gastgruppen,...)
3. Improliga (Kooperation, Stadtturniere, Bundesverband, Dachverband, gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit,...)
4. Profis / Amateure (Maßstäbe für gut/schlecht, Vor- und Nachteile von Pluralität, Lizenz,...)

und begannen mit:

Festival / Meisterschaft

Ein kurzes Stimmungsbild ergab ein einstimmiges Votum für eine Großveranstaltung. Über das Wie gab es unterschiedliche Meinungen:

DramaLight: Sollte die nächste Meisterschaft wie bisher ausgetragen werden, besteht kein Interesse mehr an einer Teilnahme. Kritik machte sich an der Vorausscheidung und der starken Konkurrenz fest. Großes Interesse an anderen Festivalformen.

Neckarwerke: Kann als Außenstehende zu den bisherigen Meisterschaften nichts sagen. Der Wettkampf bei Theater-Sport sollte jedoch immer nur Repräsentationsform sein und nicht dominieren. Der Austausch und die Begegnung ist wichtig, der Sieger könnte auch vorher festgelegt werden. Der Meistertitel ist werbewirksam.

Harlekin: Ebenfalls außenstehend. Die Meisterschaft vertritt Theatersport nach außen und sollte deshalb ein hohes Niveau haben. Hat an Meisterschaft Interesse.

Steife Brise: Hat sich als Beobachter in München gefragt, ob allen klar war, daß es sich um einen Wettkampf handelt.

Emscherblut: Konkurrenz, Wettkampf ist gut, wenn es nicht in ein Gegeneinander umschlägt. Theatersport ist inszenierter Wettkampf von zwei Ensembles. Die Meisterschaft sollte mit 4-6 Mannschaften (evtl. eine ausländische Gruppe und ein Dreamteam) Teil eines Impro-Festivals sein.

Kleiner Exkurs über Konkurrenz folgte:
Positive Konkurrenz kann zu Höchstleistungen führen, negative zu verkrampftem Spiel und Rampensau-Mentalität.
Über ein Verändern der Form, bzw. Nachdenken über das, was auf der Bühne wichtig ist, kann Konkurrenz verhindert werden.

Ideen:
nur noch vergleichend spielen, der Moderator bestimmt den Spielablauf des Abends alleine und evtl. auch spontan, Spieler müssen ihren Spaß behalten, Vertrauen vor und hinter der Bühne wichtig, d.h. auch vor und nach dem Spiel (wann und wie wird Kritik geäußert), Förderung der Risikobereitschaft und Spontaneität, Risikobereitschaft heißt nicht Anarchie auf der Bühne, Spieler wach und offen halten, ohne sie zu verunsichern, die Ensembles müssen vorher klären, was sie auf einer Meisterschaft, bzw. von einem Match wollen.

Ideen zur Meisterschaft / Festival:
Ein wichtiger Aspekt ist, daß sich viele Gruppen treffen. Ein Improfestival könnte aus verschiedenen Parts bestehen: Theatersportwettkampf um den Meistertitel, Langform (Harold, Triather), Artssports (Gesangs-impro), Kinderimpro, ausländische Gäste, Dreamteam, Workshop.

Nachdem die Meisterschaften immer aufwendiger in der Organisation und Durchführung wurden, stellte sich die Frage, welche Stadt eine neue Meisterschaft überhaupt durchführen kann und will. Krefeld fällt als Ausrichter für '98 aus. Bisher gibt es noch keinen Interessenten. Das Festival könnte auch als Kooperation (z.B. regional) organisiert werden, um eventuell mehr Zuschüsse zu bekommen und mehr Publikum anzusprechen. Eine andere Möglichkeit wäre, das Festival an ein anderes großes Event anzuklinken, wie z.B. "Expo 2000" oder "Dokumenta".

Kriterien für die Teilnahme an der Meisterschaft / Festval:
Jury, Vorausscheidung mit k.o. System, Auftrittszahl, Theatersportsiege, die Gruppe sollte mind. zu 50% aus Schauspielern bestehen, die Gruppe muß nachweisen, daß sie improvisieren kann, nur Mitglieder der Improliga, Lizenz, Präsenz der Gruppe in der Szene, längere Gruppenexistenz.
Konsens war, daß das wichtigste Kriterium die Einschätzung der ausrichtenden Mannschaft ist. Man könnte auch sagen, der "Schwarze Peter" liegt bei ihr.

Kleiner Exkurs über Amateur und Profi:
Maßstäbe könnten sein: ist es mein Beruf oder mein Hobby? Kann ich davon leben? Bin ich Schauspieler? Hab ich eine entsprechende Ausbildung? Wieviel Erfahrung habe ich?
Wir konnten und wollten uns auf keine Definition einigen, da viele Begriffe zu schwammig sind. Es stellte sich jedoch heraus, daß man diesen Aspekt nicht völlig außer Acht lassen kann, da spätestens auf der Bühne und ganz besonders bei Großveranstaltungen vor viel Publikum und erhöhtem Streßfaktor Unterschiede deutlich zu sehen sind.

Form und Inhalt

Themen, bei denen ein Austausch und Miteinander stattfinden kann und sollte:
- Theatersport
- Langform
- Maestro

1.) Theatersport
Die etablierte Form sollte darauf abgeklopft werden, was brauchbar ist und was nicht. Ziel ist es, den Focus mehr auf die Spieler zu bringen:
- Kontrovers wurde diskutiert bzgl. Schwämme und Rosen. Das Publikum liebt beides, die Schauspieler nur die Rosen.
- Emotion ist ein Hauptaspekt von Theatersport.
- Sidecoaching = das Team hätte einen positiven "Übervater".
- Schiedsrichter: Im Idealfall erzieht er das Publikum, ohne zu nerven. Er sollte Spaß haben, aber keine Extrashow machen. Keine willkürliche Punktevergabe! Das Publikum hat eine Tendenz zum Punkteausgleich. Das Scheitern etablieren. Die französische Liga hat ein anderes System: der Schiri ist mit im Ring und zeigt mit Gesten einen Regelverstoß sofort an. Der Schiri sollte für die Spieler eine Hilfe sein. Er und der Moderator sind verantwortlich für die Gesamtdramaturgie des Abends. Konsens war: einen ernsthaften Schiedsrichter oder gar keinen.
- Ohne Schiri keine Schwämme
- Bei einem Match: drei gegen drei erhöht die Gage und man spielt öfter. Die Fahrtkosten verringern sich.
- Bei gemischten Impros müssen gleihchzeitig mind. ein Spieler pro Team die Szene beginnen.
- Indem im positiven Sinne das Risiko während der Show hochgehalten wird, erhöhe ich die Wachheit, Offenheit und Spontaneität der Spieler.
- Eine klare Spieldefinition, oder wie nennen wir unsere Spiele?

Die einzelnen Gruppen beschrieben ihre Art, Theatersport durchzuführen. Es wurde deutlich, daß es keine optimale äußere Form gibt und jede Gruppe gefordert ist, weiter im Sinne von guter Improvisation zu forschen.
Einladungen und Zusagen zu Theatersportveranstaltungen sollten die gleiche Verbindlichkeit haben, wie mit jedem anderen Veranstalter auch. Gerade in diesem Punkt wurde einige Kritik geäußert, da Gruppen kurzfristig absagten. Auch "Harlekin, Tübingen" freut sich über Einladungen, sollten aber rechtzeitig erfolgen.

Zum Thema Gagen: die Gage hängt vom Umgang miteinander ab, nach dem Motto: Was du mir zahlst, kriegst du auch von uns. Der momentane Richtwert liegt ungefähr bei 200,- bis 300,- DM pro Spieler Minimum plus Fahrtkosten. Sobald ein externer Veranstalter die Gage zu zahlen hat, gelten andere Bedingungen.

2.) Langform
Die Langform ist in Deutschland noch sehr neu. Es gibt erst wenig Erfahrung und fast keinen Austausch. "Emscherblut" spielt an jedem 3. Mittwoch im Monat eine Langform und berichtete über Erfahrungen mit "Harold", "Thriather" und "Bibliothek des Zufalls". Tendentiell scheint zur Langform ein anderes Publikum zu kommen und die Besucherzahl ist geringer. Es folgte ein Austausch über andere Langformen: "Mussolinis Schwestern", "MS Hildegard", "Scherenschnitt", "Die and crime", "improvisiertes Hörspiel", "Stückstück", "Maestro", "SWF und Harlekin". Die Langform wird allgemein als eine Bereicherung für uns und die Geschichten und die Zuschauer gesehen. Ist es besser Langformen an einem anderen Spielort und in einem anderen äußeren Rahmen zu präsentieren? Eine kontroverse Diskussion über die Übertragbarkeit von Impro in andere Medien (SDR-Club und Radio) schloß sich an.

3.) Maestro
Bisher hat "Maestro" noch keine Gruppe gespielt aber Premieren stehen an, u.a. Dortmund im Herbst. Isolde berichtet über ihre Erfahrungen aus Calgary und bezeichnet "Maestro" als die einfachste Form der Improvisation, da zwei erfahrerene Coachs viel Verantwortung von den Spielern nehmen und schwächere Spieler von stärkeren gestützt werden. Eine Wettkampfform, die gerecht, aber nicht ernsthaft ist.

Improliga

Neckarwerke: Die Liga sollte eine Art Verband sein mit zwei Aufgaben:
1. Interne Venetzungen, Entwicklungen, etc.
2. Extern zur Lobbybildung, Werbung, Kräftebündelung.

DramaLight: Findet Verband o.k., hat aber Sorge, daß die Pluralität der Angebote nachläßt.

Emscherblut: Verweist darauf, daß Rundbrief quasi Medienorgan der Liga ist. Läßt von Bernd Witte ausrichten, daß er sich die Frage stellt, ob der Rundbrief weiterexistieren soll. Wenn ja, was soll rein, was ist Ziel und Aufgabe.

Steife Brise: Muß es Kriterien, bzw. Pflichten geben für die Teams, z.B.: regelmäßig Beiträge schreiben?

DramaLight: Vielleicht lassen sich Teams dadurch zur Mitarbeit motivieren, weil sie mitbekommen, daß andere (hier sind vor allem die Anwesenden gemeint), ihn als Sprachrohr benutzen, z.B.: Spieltermine.

Es wurden Kategorien für den Rundbrief erstellt:
1. Neue Spielformen und Berichte
2. Spiele
3. Perspektiven und langfristige Entwicklungen = Ausblick
4. Auftrittskalender
5. Literatur/Buchtips
6. Tratsch und Klatsch
Diese Kategorien sollten für die Beiträge der Ensembles verbindich sein. Stichtage für die Abgabe ist immer der Jahreszeitenwechsel.

Steife Brise: Soll es eine Checkliste oder Regelwerk für die Matchs gegen andere geben? Was ist der Zweck einer Checkliste? Betrifft sie die Struktur des Rahmens, die Struktur des Matchs, oder den dramaturgischen Inhalt?

Emscherblut: Plädiert dafür, den künstlerischen Inhalt des jeweiligen Abends nicht zu standardisieren. Eine Checkliste betrifft die Rahmenstruktur eines Matchs (Auf und Abgang, Anreise, Matchstruktur, Schwämme ja oder nein, usw.)

Wie könnte eine Liga aussehen?
Ein Vergleich zu Frankreich und Belgien ist nur schwer möglich, da diese Ligen ihre eigenen Geschichten haben und zentralistisch organisiert sind. Um genau feststellen zu können, was die Liga ist oder sein soll, scheint die Zeit im Moment noch zu früh. Dieser Runde Tisch ist auf jeden Fall ein Schritt. Es ist sinnvoll die Ideen für die Liga wieder in die Ensembles zurückfließen zu lassen, dort weiterzudenken und beim nächsten Treffen weiter zu entwickeln.

Resumee:

Das Interesse an einer Art Netzwerk ist sehr groß. Auch ein ständiges Forum, wie z.B. Runder Tisch, gemeinsame Workshops, usw., wird gewünscht.
Wir beendeten den Runden Tisch mit einem Feedback. Alle waren von der guten Organisation begeistert. Obwohl wir nur 7 Stunden gemeinsame Gesprächszeit hatten, wurde aufgrund der guten Vorstrukturierung durch DramaLight die zeit sehr effektiv genutzt. Es gibt keine konkreten Ergebnisse, was aber auch nicht Ziel war.
Vieles ist angedacht worden und es wird einen zweiten Runden Tisch im Oktober bei "6 auf Kraut" geben.

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»Impuls-Theater-Verlag – Schatzinsel des Amateurtheaters«
Impuls-Theater-Verlag
23. November 2017, 12:09 Uhr
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