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Improliga Rundbrief: 4. Quartal 1998

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EMSCHERBLUT

Unsere 10-Jahresfeier wurde gekrönt von der Premiere unseres neuen Showformats: 'Theaterfestival'. Beim 'Theaterfestival' wird nicht wie bei 'Maestro' der beste Spieler ermittelt und auch nicht wie bei 'Gorilla' der beste Regisseur, sondern es wird die beste Szene prämiert, d.h. alle Beteiligten (Spieler und Coach) sind verantwortlich. Außerdem gibt es Zufallsgeneratoren, die Zeitsprünge, Fortsetzungen und Lieder einfordern. Das Ziel ist, offene Szenen zu spielen und die eigenen Mitspieler durch gekonntes Coaching zu fordern, sowie eigene Vorlieben (den Stil betreffend) inszenieren zu können.

Unsere Teilnahme in Lille beim coup du monde war sehr spannend, weil wir hier mit dem französischen System von Leduc und Gravel konfrontiert waren, die ein starkes Regelwerk vorgeben (s.a. Schiedsrichterzeichen im Rundbrief 22). Das Festival selber war gut organisiert und sehr gut besucht. Wir spielten im Rahmenprogramm auf englisch gegen die USA.

Ebenfalls im Rahmenprogramm traten noch Kongo und Argentinien auf.

Mir gefiel sehr gut, wie der Schiedsrichter Fouls ahndete (und zwar wirklich nur Fouls das Spiel betreffend: z.B. Thema verfehlt, Gag schon mal gesehen, nichts Neues reinbringen, d.h. Verzögerung und/oder überflüssiger Spieler etc.) Für drei solcher Strafpunkte wird ein Punkt von dieser Mannschaft der anderen zugeschrieben, d.h. die bestrafte Mannschaft schenkt der anderen einen Punkt.

Alles, was vom Spiel ablenkt, ist bei dieser Spielform ausgeblendet: weder der Moderator, noch der Schiri, noch die Spieler selbst (oder ihr outfit) werden betont, sondern sind neutral gehalten. Auch Aktionen außerhalb des Rings sind nicht erlaubt.

Da die Teams mit je 6 Leuten spielen, können bis zu 12 Spieler im Ring stehen. Dies bedeutet, daß sehr viel Ambiente gemacht wird und ich habe tatsächlich keine Szene gesehen, die chaotisch wurde!

Die Vorgaben kommen vom Schiri und werden von diesem und erfahrenen Spielern geschrieben und dann im Match gezogen. Es sind dies immer Themen, die in sich den Anreiz zu einer Geschichte bieten: z.B. 'Das Wunderkind', 'Die letzte Schuld', 'deja vu', Kosmische Paranoia', 'Erbfehler', 'Schaufenster der Seelen' etc. Gespielt wird fast immer offen, oft auch 'Im Stil von...' oder in den Kategorien 'gesungen, gereimt, pantomimisch...'

Manchmal wird ein Gegenstand vom Schiri vorgegeben; dies ist aber eine Ausnahme.

Man kann nun sagen, diese vielen Regeln engen das Spiel ein. Ich habe es als puristisch im positiven Sinn empfunden, weil es wirklich alles, was vom Spiel und den Spielern ablenkt, ausschließt. Es geht wirklich nur um die Schauspiel- und Improvisationskunst - viele Szenen waren dadurch weit weniger gaggig, als bei vielen Matchs, die ich bei uns gesehen habe. Außerdem gibt es durch die Themen Vorgaben, die sehr abwechslungsreich und knifflig sind und die wir von einem 'normalen' Publikum nie erhalten werden, die diese aber sehr zu schätzen wissen würde.

Wir selber wurden durch dies Treffen angeregt eine Europameisterschaft zu planen, in der wir versuchen werden, endlich diesen Graben zwischen französischen Ligen und englischen Theatersportgruppen zu überwinden und hoffentlich aus beiden Systemen das Beste herauszuziehen.

Ein erfolgreiches neues Jahr mit viel Spaß und neuen Ideen!!!

wünscht das Team von Emscherblut und Rundbriefschreiber Bernd Witte

 

FAST-FOOD-THEATER

...einige Eindrücke vom 'Internationalen Improvisationstheaterfestival in Amsterdam'...

Die Amsterdamer haben, wie jedes Jahr, drei verschiedene Gruppen eingeladen. Nämlich aus New York, aus Auckland (New Zealand) und uns.

Das Programm sah folgendermaßen aus: in der ersten Halbzeit gab es jeweils ein Theatersportmatch, so daß jeder gegen jeden spielte.

In der zweiten Hälfte präsentierte jeweils eine Gruppe ein Langformat: die New Yorker hatten ein vorgabenreiches Erzählformat, die Aucklander hatten eine vorstrukturierte Murder Mystery, die Amsterdamer ein spontan durchchoreographiertes Musical und wir haben unsere Musik-Show gespielt. Tagsüber fanden an zwei Tagen workshops von den jeweiligen Gruppen statt. (...) Zu Besuch waren auch zwei Improgruppen: eine aus Lettland und eine aus Belgien.

 

6 AUF KRAUT

Apropos: Unser Gastspiel in Minsk/ Weißrussland

Anfang November '98 war '6 auf Kraut' eine Woche in Minsk und wir haben dort mit den Kollegen von 'Schest' (= 'Die Geste') einen Auftritt vor 800 Medizinstudenten gespielt. Das war unseres Wissens erstmalig Theatersport auf dem Gebiet der ehemaligen CCCP. 'Schest' machen eigentlich inszenierte Stücke ohne Sprache ('ne Mischung aus Pantomime + clowning + Körpertheater + Tanz).

Wir waren vorher schon zweimal in Nürnberg mit 'Schest' auf der Bühne, sie wussten also was Impro ist und kannten ein paar Spiele. Für uns war's allerdings umgekehrt sehr schwierig, ohne Sprache auszukommen. Abgesehen davon, daß wir uns mit 'ner 'Session' auch wohler fühlten, wollten die Russen kein 'Match', weil's 'ne eigene russische Variante/ Tradition gibt: 'Club lustig findig/ gewandt' (frei übersetzt). Vor allem Studentengruppen wetteifenr miteinander, allerdings grösstenteils geprobtes Material, in Kategorien wie Lied, Sketch, Mime und mit 'ner Jury, die wertet.Genaueres sollten mal Theaterwissenschaftler erkunden...

Betr. Proben: Über Sprachgrenzen hinweg Spiele theoretisch zu erklären ist wahnsinnig zeitaufwnedig. Das nächste Mal werden wir weniger erklären und mehr vorspielen (d.h. 2-3 Varianten vom gleichen Spiel) Das wäre gerade für Theaterleute hoffentlich die bessere Kommunikationsform. Der Auftritt: Es war ein Uni(Fakultäts-)fest. Auf Wunsch der Uni hatten iwr auch einige (5) theatererfahrene Studenten auf der Bühne dabei, im Ganzen also 1 Moderator, 14 Spieler, 2 Musiker, 2 Dolmetscherinnen. Es gab einige tolle Momente mit Masssenszenen (allerdings sehr 'geführt', d.h. gecoacht + per Übersetzung - aber von der Wirkung her toll: mit so vielen Leuten hat man ungeheure Möglichkeiten!

Gespielt haben wir:

Freezetag
heisst jetzt 'stop und start', weil das verstehen auch die Russen

Sounds
heisst jetzt 'Mikrophon', s.o.

Stummfilm
Zwischentitel + übersetzte Untertitel von der Dolmetscherin am Mikro

National Replay
Deutsch/ Russisch als '6 auf Kraut'-Solo - war total Scheisse

Murder Endowment
hatten wir erst etwas Schiss, weil's doch recht anspruchsvoll ist, ist aber ein sehr gutes 'echtes' Impro-Spiel, weil die 'Fehler' strukturell dazugehören/ wichtig sind.

Gromolo-Oper
Mit gecoachten Schnitten, d.h. 1 'Kritiker' zeigt nur Ausschnitte des Werkes!

Allgemein:
Der Durchschnittsverdienst in Weißrussland liegt bei 50 DM/ Monat. Gastfreundschaft + touristisches Programm fürsorglichst, liebevollst + aufwendigst. Wir fahren da gerne wieder hin (ohne Gage). 'Schest' kommen sicher wieder nach Deutschland, wir vermitteln da gerne was. Langfristige Planung (d.h. mehr als 2 Monate im voraus) kann aber schwierig sein.

Sigi Weckerle

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»Hier gibt's so viel, da braucht man Zeit«
Impuls-Theater-Verlag
19. November 2017, 18:57 Uhr
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http://theaterverlag.eu/34.Improliga_Rundbrief.html?lc%5Bitem%5D=1998-4&PHPSESSID=031b4dbb17fde37abe37b9d994f2f06d
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