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Improliga Rundbrief: 3. Quartal 2000

1. Quartal 20062. Quartal 20063. Quartal 2006 
1. Quartal 20052. Quartal 20053. Quartal 20054. Quartal 2005
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1. Quartal 20022. Quartal 20023. Quartal 20024. Quartal 2002
1. Quartal 20012. Quartal 20013. Quartal 20014. Quartal 2001
 2. Quartal 20003. Quartal 20004. Quartal 2000
1. Quartal 19992. Quartal 1999 4. Quartal 1999
1. Quartal 19982. Quartal 19983. Quartal 19984. Quartal 1998
1. Quartal 19972. Quartal 19973. Quartal 19974. Quartal 1997



ANLAGE 1 / EMSCHERBLUT

Vom 8.-10.10. war ich zum 1. Thüringer Improtheaterfestival eingeladen, was die Weimarer Improgruppe ‚ImproVisionen' um Detlev Fengler in Zusammenarbeit mit Christina Rahe von der ‚Europäischen Jugend- und Begegnungsstätte Weimar/ EJBW ausgerichtet hatte, um den regionalen Gruppen, die es dort bereits zahlreich gibt, ein Forum zum Austausch zu geben. Als Schwerpunkte wurden workshops in ‚Haroldbasics' (Roland Trescher/ Fast-Food-Theater München), ‚Zusammenarbeit' (Marc/ Improkokken Hannover), ‚Einstiege, Geschichten und Dramaturgie' (Bernd Witte/ Emscherblut Dortmund), ‚Stimme und Singen' (Koni/ Erfurt) und ‚Performance' (Tino/ Weimar) angeboten. Abends fanden verschiedene Aufführungen statt, z.B. von Langformen: eine biografische Improvisation, wo das Publikum die Biografie der Spieler mitentwickeln konnte, zeigte ‚ImproVisionen'. Eine Show kam vom ‚Poetenpack'/ Potsdam. Mit dabei waren Mitglieder von Gruppen aus Nordhausen, Bamberg, Pößneck, sowie einer weiteren Gruppe aus dem Weimarer/ Erfurter Raum. Da der Zuspruch der einzelnen Gruppen zum Festival, wie auch des Publikums zu den Aufführungen hinter den Erwartungen zurückblieb, war es ein kleines Festival, was aber gerade dadurch einen familiären und entspannten Charakter hatte. Bleibt zu hoffen, daß sich Detlev nicht schrecken läßt und bald eine erweiterte Festivalauflage vornimmt.

Zu ‚Emscherblut':
Wir legen ab 1.10.2000 unser Mangement in professionelle Hände und lassen unsere Büro- und andere Arbeiten von "Himmel & Erde" abwickeln.
Natürlich könnt ihr uns für alle Matchbelange weiter unter der alten Adresse kontakten (02304/ 789644) und auch der Rundbrief ist hiervon nicht betroffen.
Ab Frühjahr wollen wir uns dann wieder mit einer neuen Langform beschäftigen und für die diesjährige Weihnachtszeit haben wir uns für den 5.-7.12. ein Programm mit besonderer Animation und Anspielungen ausgedacht. Zunächst aber erwarten wir am 28.10. unsere Kollegen von ‚6 auf Kraut' zu einem match im Fritz-Hensler-Haus und auch auf die Teilnahme an der Jubiläumsfeier von ‚DramaLight' (13-15.10.) freuen wir uns schon sehr.

Mit lieben Grüßen
Bernd ‚Emscherblut' Witte

 

ANLAGE 2 / Barbara Müller:

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

bezugnehmend auf Susannes Märchen (siehe vorangegangenen Rundbrief), möchte ich von meinen Erfahrungen mit längeren improvisierten Geschichten berichten:

Die Lust an der Geschichte

Ich habe in zwei Projekten mit ‚Tatwort' am Spielen von improvisierten Geschichten gearbeitet: Um Kopf und Kragen (1999) und Das Impro-Stück (2000), das einige von euch auf der Meisterschaft in Nürnberg gesehen haben.

Nach 12 Jahren Impro war ich all der Gags und Gimicks, der Fillergames und der immer neuen und doch immer ähnlichen Strukturspiele, die die meisten von uns doch mittlerweile so gut beherrschen, dass es schon wieder langweilig oder gar arrogant wird, überdrüssig geworden. Für mich als langjährige Improspielerin bietet daher das Improvisieren von Geschichten eine willkommene Herausforderung: ich kann meine improvisatorischen Fähigkeiten mit meinem schauspielerischen background und den zum Teil neu erworbenen detaillierteren dramaturgischen Kenntninissen verknüpfen. Diese Herausforderung reißt mich aus der wohligen Impro-Routine und fordert mich mit Herz und Hirn.

Was die Improtheater-Szene insgesamt angeht, denke ich, dass das Improvisieren von Geschichten vielen SpielerInnen, die mehr können und wollen als Emo-Listen und Genre Replays, neue Impulse und neuen Spielspaß geben kann. Ganz abgesehen davon, dass der Risikofaktor endlich wieder auf der Bühne zum Tragen kommt - genau das ist es doch auch, was Impro ausmacht. Längere Geschichten auf der Bühne zu improvisieren ist allerdings Impro für Fortgeschrittene. Umd meiner Meinung nach für SpielerInnen, die nicht nur über improvisatorische sonder auch über schauspielerische Fähigkeiten verfügen.

Ein Wort zu den Geschichten: sind sie ernst, traurig, lang und langweilig? Besteht die Gefahr, dass das Publikum wegbleibt? Nein!! Aus den Erfahrungen, die ich mit den beiden oben erwähnten Projekten gemacht habe, weiß ich, dass das Publikum es liebt, Geschichten auf der Bühne zu sehen, die mehr als nur quickies sind und die nachhaltiger in Erinnerung bleiben, weil sie spannend waren, weil es wirklich etwas zu erzählen gab und manchmal, weil sie das Publikum (voll) berührt haben.

Da es in der Arbeit an den beiden oben erwähnten Projekten vor allem auch darum ging, herauszufinden, was eine Geschichte ausmacht, hier noch einmal die wichtigsten Punkte:
- eine Geschichte hat zunächst einmal einen Plot, d.h. eine durchgehende Handlung, einen roten Faden.
- dieser Plot folgt einem dramaturgischen Aufbau, man kann sich dabei durchaus an der klassichen Teilung in drei Akte orientieren, nach der z.B. auch viele Hollywoodfilme aufgebaut sind. (vgl. Christopher Vogeler ‚Die Odssee des Drehbuchschreibers')
- es gibt eine glaubhafte Hauptfigur, die ein für sie wichtiges Anliegen hat. Das kann ein Problem sein, ein Wunsch oder eine charkateristische Eigenschaft. Wichtig ist, dass die Hauptfigur zu diesem Punkt eine starke emotionale Bindung hat, es geht also um etwas Existentielles. Eine Karikatur oder ein klischeehaftes Abziehbild einer Person trägt nicht für eine längere Geschichte, da die Zuschauer ihr nichts glauben und damit die ganze Geschichte uninteressant und beliebig wird. Einige Nebenfiguren können durchaus Klischees entsprechen, um die Geschichte aufzulockern.
- die anderen Figuren der Geschichte stehen zu der Hauptfigur und auch untereinander in einem klaren Beziehungsgeflecht und erfüllen innerhalb des dramaturgischen Rahmens der Geschichte ihre Funktionen - z.B. als Helfer oder Gegenspieler.

Einen schönen Gruß von einer geschichtenbegeisterten Improspielerin Barbara

 

ANLAGE 3 / von Martin Cambeis

Die Heldenreise geht weiter

Auf der letzten Meisterschaft in Nürnberg haben viele von euch ‚Das Improstück' von Tatwort gesehen. Wir bekamen so viele Komplimente vom Publikum und soviel Zuspruch und Bestätigung von euch Kollegen, dass mir wieder einmal klar wurde, wie groß das Interesse nach alternativen Erzählstrukturen ist. Diejenigen, die anschließend im workshop ‚Die Heldenreise' waren, konnten selbst erleben, mit welchen Mitteln und mit welchen Techniken man eine tiefere und dichtere Erzählebene erreichen kann, ohne auch nur eine der bereits erworbenen Improregeln zu verletzen. ‚Die Heldenreise' ist dabei überhaupt nichts neues! Es geht nach wie vor um Wahrnehmung, Unterstützung, Verknüpfung u.s.w.

Aber es geht nicht um Strukturspiele. Es geht nicht um Gags und Schlagfertigkeit. Und es geht am allerwenigsten darum, mit welchen Abfragen man vom Publikum noch prallere Vorgaben als Hammer, Metzger und Toilette bekommt!

Er geht darum wie wir die tragende Hauptrolle unterstützen können, ohne ihr den Fokus zu nehmen. Es geht darum, welche Archtypen eine Geschichte vorantreiben und welche der Hauptrolle Probleme zutragen. Es geht um die Aufteilung in drei Akte, um den dramaturgischen Bogen, sowie den dramatischen Höhepunkt etc. Davon hat jeder schon mal gehört. Natürlich reichte in Nürnberg ein Tag dafür nicht aus, um all diese Aspekte umfassend zu behandeln! Aber ein Tag in Nürnberg reichte aus, um viele von euch neugierig zu machen.

Ich habe gemerkt, wie viele von uns auf der Suche nach mehr Intensität sind, wie viele auf der Bühne wirklich was erleben wollen, und dass das Publikum es tatschlich zu schätzen weiß, wenn wir uns blank und unvorbereitet der Situation ergeben, ohne Zuhilfenahme von Taschenspielertricks, die wir alle schon in unzähligen Improshows mit viel Spaß aber ohne Risiko abgezogen haben. Ich könnte mir Impro-Festivals vorstellen, in denen komplexe Geschichten kultiviert wrden. Vergesst doch mal die Abfrage nach einem Genre wie z.B.'Western'! Nach zwei Minuten sind alle Clichées abgehakt! Wie wäre es denn, wenn das Publikum mal ein Leitmotiv vorgibt? Eine Langform-Geschichte, in der es meinetwegen um Rache gehen soll? Oder Rivalität? Oder Verwandlung? Wie wäre es, wenn wir wirklich mal einen Krimi auf die Bühne stellen, weil das Publikum die Kategorie Rätsel vorgibt - in drei Akten, spannend, unterhaltsam und dennoch improvisiert!!! Ich weiß es und viele andere wissen es auch: es funktioniert!

Deswegen möchte ich euch gerne anstecken! Die ersten hat es bereits erwischt! Theatersport Berlin hat mich eingeladen, mit ihnen im Oktober für vier Tage an der ‚Heldenreise' zu arbeiten. Auch ein Ensemble aus Köln wird sich auf diese ‚riskante' Reise einlassen. Angespornt durch so viel Rücklauf möchte ich euch allen gerne die Erfahrungen und Ergebnisse von zwei Jahren Recherche und insgesamt acht Wochen intensiver Probenarbeit an dem Stück ‚Um Kopf und Kragen', eine Langform, die letztes Jahr einen Monat en suite in München gespielt wurde, zur Verfügun stellen. Wenn ihr mehr darüber wissen wollt, meldet euch bei mir. Schreibt mir, wenn ihr ‚Die Heldenreise' antreten wollt, ich schicke euch gerne umfassenderes Material.

Viele Grüße Martin Cambeis
Fax: 0231/ 1062513

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Impuls-Theater-Verlag
23. November 2017, 06:25 Uhr
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