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Improliga Rundbrief: 1. Quartal 2001

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Buchbesprechung/-kritik: Randy Dixon 'Im Moment'

Lieber Florian,

vielen dank für die zusendung des neuen buches von randy dixon.
Ich war schon sehr gespannt darauf und es hat tatsächlich auch meine erwartung insofern erfüllt, als es sich über einen praxisbezogenen rahmen hinaus über zielsetzungen, entwicklungen und ansprüche auseinandersetzt.
Dabei bleibt es allerdings öfter im allgemeinen und es wäre schön, wenn es ein paar praktische beispiele mehr gegeben hätte.
Was sehr interessant war, war die unterscheidung zwischen spontanität und kreativität, wobei kreativität fast als ein hindernis für reine spontanität dargestellt wurde.
In diesem zusammenhang wäre für mich eine weitere differenzierung und untersuchung der parameter:: spontanität - kreativität - originalität - authentizität und deren beziehungen zueinander bzw. zur improvisation interessant gewesen.
Was fast gänzlich fehlt ist die einschätzung der interaktion mit dem publikum.
Und hier würde ich widersprechen oder einen anderen schwerpunkt setzten:
Das ist für mich immer noch eine der wichtigsten sachen, die improtheater von anderem theater unterscheidet. (in dem kapitel zu abfragen ist die dabei immer auftauchende leidige frage nach den schlechten, simplen vorgaben aus dem publikum treffend beantwortet:
es liegt an der art, wie wir unsere fragen stellen, daß wir entsprechende antworten bekommen).

Die unterscheidung zum "normalen" theater liegt nicht nur im miterleben des spontanen (den das muß vom publikum erst mal nachvollzogen werden können:
s.: eine impro, die gut läuft, wird gerade deswegen oft nicht mehr als improvisiert vom publikum empfunden)

Noch liegt es im "berührt werden" durch das geschehen. Es ist fatal, wenn wir den "normalen" thetaerstücken und -spielern absprechen, daß sie dieses ziel nicht haben oder mit ihren mitteln erreichen könnten.
Sie liegt immer für uns in der lebendigen, direkten interaktion, was das publikum zu einem mitspieler macht und in eine aktive rolle bringt (s. z.B.: das No-agenda)
Daß für die spieler jede andere langform, in der nur einmal etwas abgefragt wird sehr interessant ist, steht außer frage. Aber auch, wenn wir nicht immer aufs publikum schielen sollten, es bleibt eine öffentliche veranstaltung und theater wird ja nicht nur zur befriedigung der schauspieler gespielt, sondern für die zuschauer präsentiert.
Und dabei ist improtheater die einzige form die darüber hinaus auch mit den zuschauern spielen kann.

Zu den diskussionen über die benutzung von formen fällt mir ergänzend ein, daß die ausführung (als spontane präsentation von ideen) nicht durch eine erlernte form gestört oder behindert werden muß: wenn ich die technik des singens, pantomimespiels oder auch einen spielstil (wie shakespeare oder commedia dell'arte) beherrsche, werde ich dies zur einfärbung und als rahmen benutzen können, ohne daß meine spontanität dadurch eingeengt wird (sondern wie beim klavierspielen brauche ich dann nicht mehr darüber nachdenken, wie ich die finger setze). Das setzt allerdings ein intensives training zur beherrschung der technik voraus und diese zeit haben oder nehmen sich viele gruppen eben nicht.
Auf jeden fall gibt das buch genügend anregungen und ist als weitere diskussionsbasis wertvoll.
Wenn du gestattest, würde ich diesen brief als offenen brief (und buchbesprechung) - eben als diskussionsbeitrag - in den nächsten rundbrief setzen.

Bernd.

 

Thema INTERNET

Ich hatte mit Stephan Stark (Holterdipolter), der die Netzseite: "improtheater.de" betreibt, folgenden Ideenaustausch:
die Netzseite soll dem schnellen Austausch zwischen den Gruppen bezüglich Terminen, Auftritten, Auftrittsgesuchen oder -ankündigungen, sowie Workshops,etc und brisanten, aktuellen Themen dienen.
(Soweit es nicht sowieso schon eine schnelle Verbindung bei konkreten Anlässen zwischen Gruppen und Spielern übers e-mail gibt).
Der Rundbrief soll - seinem Medium gemäß - für die langfristigen Themen oder Planungen, und für Diskussionen, die man gern auch mal nachliest und vor allem zum Verfielfältigen dieser Infos für alle Gruppenmitglieder einer Gruppe (wo ja vielleicht eben nicht alle auf dem Internetstandard sind) dienen.
Außerdem finde ich, daß es immer noch konkreter ist, etwas in der Hand zu halten, als es auf dem Schirm in irgendeinen Ordner zu packen.
Deswegen brauchen sich diese beiden Arten von Veröffentlichungen nicht in den Weg zu kommen, und ich hoffe, daß der Rundbrief nach wie vor eine Plattform für Austausch und Diskussionen sein wird.
Sollte das hingegen von vielen Gruppen anders gesehen oder gewünscht werden, so bitte ich um entsprechende Rückmeldung.

 

Anlage 1 / EMSCHERBLUT

Anfang des Jahres haben uns zwei Spieler verlassen: einerseits trennten wir uns von Martin Cambeis, der drei Jahre bei uns war und andererseits verließ uns parallel dazu unsere langjährige Spielerin Barbara Müller.
Barbara wird bis zum Sommer weiter bei uns spielen und uns dann als Springerin weiter begleiten.
Nun arbeiten wir mit 3 neuen Spielerinnen und hoffen, daß wir sie euch bald vorstellen können. Zwei von ihnen kommen aus dem Clownstheater und eine aus dem Musiktheaterbereich.
Zur Zeit haben wir also kein größeres, neues Projekt vor, sondern wir reorganisieren unsere Gruppe, und arbeiten weiterhin am "Tri-ater" (oder Trippleplay). Hier haben wir einiges an der Musicalstruktur getan und trainieren dies fleißig; aber auch die Theaterautoren sind noch lange nicht ausgereizt (und deshalb immer noch reizvoll).

Unser nächstes Match wird wieder einmal ein internationales sein: gegen theatersportverenigung Amsterdam (27.4. in Dortmund, Fritz-Henßler-Haus).

Im April sind wir auf der Freiburger Börse und es würde mich freuen, wenn ich dort Kollegen treffen kwürde.
Ebenfalls im April spielen wir mit L.U.S.T. in Freiburg Theatersport (10./11.4.)

Weiterhin läuft auch noch unsere Radioserie auf WDR 5: "Neugier genügt".

Leider habe ich den Eindruck, daß ich keine wirkliche Diskussion über die Lizenzverträge, bzw. -beiträge, entfachen konnte. Von den Gruppen, mit denen ich gesprochen habe (Fast Food; Improvisorium; EIT; Steife Brise) war eher das Resumee: abwarten. - Schließlich wird nichts so heiß gegessen, wie es (aus-)gekocht wird ?!

In diesem Sinne : guten Hunger !
Bernd Witte

 

Anlage 2 / Improtheater 'Steife Brise'

Liebe Kollegen,

nach langer Funkstille mal wieder ein paar Zeilen von uns, genauer gesagt 2 Punkte:

Bernds Meinungsanregung zum Thema TheatersportTM, Lizenzgebühren etc: auch wir haben uns Gedanken gemacht, wie wir mit den Forderungen der neuen 'Lizenzgebührenverwalter' umgehen. In den von Bernd geäußerten Punkten können wir ihm nur beipflichten. Wozu eine Mindestgebühr? Es keimt eben doch die Frage auf 'Was tut das Theatersportinstitut für uns?' Wir haben uns entschlossen, unsere Lizenz noch ein Jahr laufen zu lassen und abzuwarten was geschieht und gleichzeitig beim Theatersportinstitut konkret angefragt, mit welcher Art von Werbematerial sie uns unterstützen können. Bis heute haben wir noch keine Antwort erhalten. So wie wir etwas hören, wird Meldung gemacht.
Wir haben ein Impro-Musical in Hamburg auf die Beine gestellt und spielen dies seit Februar regelmäßig. ('Das Hamburg-Musical') Unter der Mithilfe von Detlef Schmidt haben wir das Risiko der musikalischen Langform auf uns genommen und dies mit regem Erfolg. Das Publikumsinteresse ist riesig und auch die hamburger Presse ist sehr positiv. Natürlich läuft noch nicht alles perfekt, aber immernhin läuft's und macht unheimlich viel Spaß. Das nächste Mal mehr Information...

Alles gute wünscht Eure
'Steife Brise'

 

Anlage 3 / '6 auf Kraut' - News und Lektürenotizen zu Randy Dixon's 'Im Moment'

1. Die Dokumentation der Meisterschaft ist seltsamerweise immer noch nicht fertig. Wir arbeiten dran.

2. Haben eher aus Blödsinn "6 im Ring", das ist jeder gegen jeden, in einem Boxring gespielt. Beim zweiten Mal zeichnete sich ab, dass wir da ein neues Format erfunden haben und nicht das Schlechteste. Machens noch öfter.

3. Anfang Mai haben wir einen Workshop bei Andre Besseling aus Amsterdam. Er bringt uns "Krippenbeißer" bei, ein Langformat, das er mit seiner Gruppe "Piranha" entwickelt hat.

4. Haben das Poldiwesen inzwischen institutionalisiert, d. h. bei jeder Vorstellung wird von einem Zuschauer ein Poldi an einen Spieler verliehen. Nicht für die Gesamtleistung, nur für einen Moment, ein besonders dummes Gesicht, der schönste Versprecher etc. Nachahmenswert!

5. Unsere Geschichte mit der Lizenz: wir haben 1994 eine bekommen. 1995 kam noch Post (Newsletters), später nur noch Flyer wegen Int. Summerschool. Obwohl wir also außer fünf Newsletters nie was von der Lizenz hatten, habe ich ihnen Anfang 2000 einen größeren Betrag geschickt rückwirkend für 6 Jahre. Das hatte eine Lawine von Anrufen, Faxen und e-mails zur Folge: Wir hätten jährlich unsere Lizenz erneuern lassen müssen, haben also gar keine mehr. Sehr dubios, wusste ich nicht, zumindest 1998 oder 1999, als das ITI gegründet wurde, hab ich so ein Formular ausgefüllt und ihnen geschickt. Wahrscheinlich haben sie es weggeworfen, weil wir noch nie gezahlt hatten. Die Formulare, um unsere Lizenz zu erneuern, habe ich bisher noch nicht zurückgeschickt, wir hatten seit der Meisterschaft auch nur ein selbstveranstaltetes Match in Nürnberg. Den Begriff "Theatersport" verwenden wir von uns aus sowieso nicht, bei uns heißt es "Impromatch". Ich hoffe, ich bin nicht Schuld an der härteren Gangart, die das ITI jetzt einzuschlagen scheint. Mein Standpunkt ist, sie können froh sein, wenn sie überhaupt was bekommen. Für "angemessen" hielte ich so 60,-- DM Minimum oder 3 % des Gewinns (Einnahmen - Miete und Fahrtkosten) pro Match, das ist so die Größenordnung, die Laiengruppen für ausgeschriebene Theaterstücke Tantiemen zahlen (äh, zumindest war es vor 15 Jahren so). Mehr wäre Wucher für Null Gegenleistung.
Ganz nebenbei: die Wölfe lauern überall. Letztes Jahr haben die Freibeuter / Kitzingen
e-mail aus Frankreich bekommen, das sie den Franzosen Tantiemen zahlen sollen ! Incroyable !

6. Sigi liest Randy: R. Dixon Im Moment, Theaterkunst Improtheater, Reflexionen und Perspektiven, Impuls / Buschfunk Planegg 2000. 130 Seiten
Es ist ein "Fachbuch" d. h. es richtet sich an Leute, die mit Impro schon was am Hut haben. Pragmatiker werden von dem Buch recht enttäuscht sein. "Neue" Spiele sind versteckt verstreut und nur in wenigen Zeilen beschrieben (z . B. Schritt für Schritt S. 49, Variationen S. 115). Hierzulande größtenteils unbekannte Langformen haben im Durchschnitt eine Seite (Leere Tafel S. 67, Lotus S. 83[das könnte auch ein schönes "großes" gemischtes Matchspiel sein], Gefundene Gegenstände S. 94, Geschichtenband S. 118, Halb + halb S. 119, Der rote Faden S. 120, Lagerfeuer S. 122, Narbengeschichten S. 123), da hätte ich oft gern mehr erfahren. Ansonsten ergeht sich Randy teilweise etwas langatmig in Impro-Philosophie, die Seiten 11 - 54 lassen sich in einem Satz zusammenfassen: Nicht clever sein, nicht vorausplanen, im Moment sein, das Naheliegende spielen. Ja, Papa. Etwas versöhnt haben mich seine Hinweise auf Schwächen, für die uns oft die Begrifflichkeit fehlt. "Das Versprechen" (Promise): das A und O (bzw. A und B) jeder Szene. "Innehalten": die Pausen zwischen den Sätzen sollen so beredt sein wie die Sätze selbst. "Zusammenschluss": der Zuschauer füllt die Lücken, das Theater entsteht erst im Kopf, wir müssen Szenen nicht erklären.
Hinter allem steht bei Randy großes Sendungsbewußtsein: Impro ist eine eigenständige Kunstform. Impro ist das beste Mittel, um subversiv und aktuell Stellung zu beziehen. Nur bei und durch Impro bringt man Tiefengeschichten, Archetypen und Mythen aus dem kollektiven Unterbewußtsein, metaphorische Bilder, Träume, die magische Welt der alltäglichen Geister und Schatten auf die Bühne. "Durch den Schwerpunkt gemeinschaftlicher Zusammenarbeit kann es zur regelrecht heilenden Wirkungen für die Spieler und das Publikum kommen. Es obliegt den Improspielern dieser Welt, den Gedanken der Gemeinschaft zurück ins Theater zu holen". Für mich sind das bestenfalls Wünsche, für Randy sind das alles Tatsachen. Also ich fang schon mal an und rolle diesen großen Stein diesen steilen Berg hinauf...
Naja, so negativ will ich nicht aufhören. Es hat mir sehr gut getan, etwas zu lesen, das mich als "erfahrenen" Improspieler anspricht und ernst nimmt. Als Inspirationsquelle ists empfehlenswert.

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Impuls-Theater-Verlag
23. November 2017, 00:54 Uhr
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