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Improliga Rundbrief: 3. Quartal 2001

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Anlage 1 / EMSCHERBLUT

Das Jahr neigt sich langsam dem Ende zu und wir haben nach den verschiedenen Urlauben einen guten Anfang, indem wir zwei Kompaktworkshops machen, um uns und vor allem auch unsere neuen MitstreiterInnen weiter einzuarbeiten - einen Workshop machen wir selber, unsre eigenen Kapazitäten ausnutzend, den anderen gibt Randy Dixon und wir freuen uns schon drauf.

Anfang nächsten Jahres werden wir wahrscheinlich wieder in der Lage sein, ein internationales Treffen mit einer englischen Gruppe als Partnerschaftsaustausch zu machen - wir arbeiten darauf hin (aber die Finanzen...!!??).

Für einige von uns (Susanne, Holger, Bernd, Silke) ist es auch ein Jahr gewesen, ihre improvisatorischen Künste als Klinikclowns einsetzen zu können und zu erproben.

Das war für uns sehr spannend, weil die Ausgangssituation im Krankenhaus ähnlich ist wie auf der Bühne... du weißt nie, was dich in den Zimmern erwartet an Stimmungen, Bedürfnissen, an Anzahl der Kinder und deren altersmäßiger Zusammensetzung.

Aber im Gegensatz zur Bühne ist es eine sehr viel feinere, kleinere Arbeit, sozusagen Kammerspiel im wahrsten Sinne, d.h. es ist sehr konzentriert und im optimalen Fall maßgeschneidert für Solo- oder Duo- oder Triopublikum.

Rein 'schauspiel-technisch' ist dabei alles möglich: vom Puppenspiel, über Zauberei, bis zur Pantomime - und so öffnet es nicht nur bei den Kindern die Pforten der Phantasie. (zumal wenn sie selber Ideen haben und anfangen, Regie zu führen)

Es hat sich gezeigt, dass es auch unter solchen Bedingungen viele Möglichkeiten gibt zu improvisieren, Geschichten zu erzählen und wir sind sehr zufrieden und gespannt, was die Zukunft bringt.

Viele Grüße an alle
Bernd

 

Anlage 2 / kuk-theater*Knut Kalbertodt

An die Freunde des improvisierten Theaterspiels, seid gegrüsst!

Dass ich nordwärts ziehe kommt nicht von ungefähr, da ich seit einiger Zeit vermehrt mit der 'Steifen Brise' zusammenarbeite. Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist u.a. 'Dubbel & Stulle', eine Zweier-Impro-Geschichte, mit der Thorsten Brand und ich am 6.9.01 unser Bühnendebut in Nürnberg bei '6 auf Kraut' hatten. Wir spielten ein Match mit 5 gegen 2 (Vielen Dank von hier aus nochmal an die Krautler für Ihre Experimentierfreudigkeit!)

Schwerpunkt für Thorsten und mich war die Gestaltung unserer Bühnenfiguren ausserhalb der Improszenen, unsere Statusgeschichten untereinander und unser unterschiedliches Verhalten sowohl den anderen Bühnenakteuren als auch dem Publikum gegenüber. Daraus ergab sich eine Spannung, die sich als dem Abend zuträglich erwies, aber auch durchaus noch ausbaufähig ist.

Die Veranstaltung unterschied sich dadurch von einem 'normalen' 3:3-Match.

An dieser Stelle möchte ich mich nochmal für den von mir vorgeschlagenen 'Qualifikationsmodus für eine deutsche Meisterschaft' entschuldigen. Er disqualifiziert sich von selbst, da es keinen bundesweiten Standard gibt und diese Gleichschaltung von niemandem angestrebt wird. Und das ist auch gut so! Es lebe die Vielfalt!

Auf bald
K.K.

 

Anlage 3 / DIE GORILLAS, Berlin

Hallo,

a bisserl verspätet eine Bilanz unseres Internationalen Improfestivals, das im März erstmals in Berlin stattfand. Nuja, ich will uns ja nicht loben, aber mach es doch: es war schon ziemlich toll, und das Lob geht sowieso vor allem an die beteiligten Teams.

Also, es war so:

Wir waren neun Gruppen aus sechs Ländern - 'Crumbs' und 'Rapid Fire Theatre' (Kanada), 'Unexpected Productions' (USA) , 'Stockholm Improvisationsteater' (Schweden), 'Theater im Bahnhof' (Graz), 'Improvokatorji' (Slowenien), 'Fastfood' (Müchen), 'Drama Light' (Heidelberg), 'Gorillas' (Berlin) - die an den neun Festivaltagen insgesamt 23 Vorstellungen gegeben haben. Es waren fast alle (20) brechend ausverkauft, ca. 3100 Zuschauer haben die Shows gesehen.

Neben den obligatorischen Theatersport-Matches hatte jede Gruppe einen bzw. einen halben Abend, um sich zu präsentieren. Das Niveau war durchaus unterschiedlich, herausragend aus unserer Gorilla-Sicht der Abend der 'Crumbs'. Die drei Jungs auf der Bühne und Craig am Keyboard haben sich in einer Mischung aus 'Harold' und 'Reigen' in einen Impro-Rausch gespielt, eine halbe Stunde Zugabe war ihr und unser Lohn - wer das gesehen hat, wird's schwerlich vergessen. Unbelievable auch der Song 'Dog shit makes your flowers grow' von unserer Berliner Gorillera Barbara, ein Highlight der drei musikalischen Impro-Abende im Jazzclub 'Schlot'. Und als Gregor aus Schweden, der unermüdlich in die Tasten griff, die Jugend-Impro-Show mit dem Song 'Happy Fools' beendete, tobte der pubertäre Saal.

Eun Schwerpunkt war das gemeinsame Arbeiten in den vier Tage währenden internen workshops (solche für die Öffentlichkeit und Improspieler gab's auch), was aber dann doch ein bißchen zu kurz kam wegen Trinken/ Reden bis in die Nacht, den vielen Vorstellungen, und Berlin - wo's ja auch nich wenig zu sehen jibt, Alter, wa. Jedenfalls haben wir an fünf Abenden auch völlig gemischt gespielt, das waren die offensten, riskantesten und spannendsten Abende.

Keine Frage: dit machen wa nochmal, unser Festival soll zur Institution werden, immer im März, nächstes Jahr 7.3. - 16.3.2002

Schöne Grüße
Christoph von den 'Gorillas'

 

Anlage 4 / theater-L.U.S.T., Freiburg

In jeder Ausgabe des Newsletter dieser Gruppe schreibt ein Mitglied einen Beitrag, dessen Inhalt er oder sie frei bestimmen kann.

Improvisiert der Impro-Musiker? von Stefan Kern

"Das war aber jetzt playback, was Sie heute hier gespielt haben, oder?" Leicht irritiert steht mir der Mann mittleren Alters nach einer Aufführung von Theater LUST gegenüber. Sehr ungläubig blickt er mich an, als ich ihm versichere, dass alles, was ich heute mit meinem Keyboard von mir gab, frei improvisiert war. Genauso wie die Szenen der Schauspieler selbst.

Wir Musiker von Theater L.U.S.T. benutzen ein Keyboard, Musiker anderer Gruppen spielen lediglich mit einem Klavier oder der Gitarre, andere bieten bis zu zehn oder zwölf Instrumente auf, mit denen sie die Szenen der Spieler auf der Bühne unterstützten. Eines ist aber bei allen gleich: Sie improvisieren immer spontan zu der gerade dargebotenen Szene. Gewiss hat jeder ein mehr oder weniger großes Repertoire an Musikstücken, Changes oder Klangspielen, die bei einem Auftritt genutzt werden. Dennoch: Verlangt das Publikum von dem Schauspieler z.B. eine Oper zu singen, so wird sich der Mime niemals darauf verlassen können, dass der Musiker ihm eine altbekannte Melodie bietet. Denn so würde Impro keinen Spaß machen. Es muss stets spontan sein; nur so kommt der Kick zustande, den die Improspieler und deren Publikum so sehr lieben und der sie vom Improtheater nicht loslassen lässt. Im übrigen: so mancher Zuschauer besucht nahezu jede Aufführung von Theater L.U.S.T. Solchen treuen Fans könnte man auch nichts vormachen. Wiederholungen (auch des Musikers) würden bemerkt und bestimmt auch gleich abgemahnt.

Da dies nun so ist, wird man bestimmt verstehen, dass der Impro-Musiker so manches Male anfängt fürchterlich zu schwitzen, wenn bei einem Musikspiel oder einem Musikgenre das Publikum den Heavy-Metal-Tango, den Salsa-Hip-Hop oder den Mozart-Blues fordert. "Und wir zählen ein: Fünf, vier, drei, ..". Spätestens bei "zwei" sollte jetzt eine zündende Idee vorliegen, wie bei „Los“ in die Tasten zu greifen ist.

Wenn nun aber das Lied beginnt, der Sänger und der Musiker - vielleicht nach einer kurzen Phase der Irritation- sich über Tempo und Harmonien einig geworden sind, die Melodie und der Text getragen die Geschichte einer traurigen Liebschaft erzählen, sich die Tränen in den Augen des Publikums (und dann auch stets in denen des Musikers) bilden, Leidenschaft, Hass, Argwohn und Feuersbrunst das Herz des Sängers quälen und er zuletzt in seiner Ausweglosigkeit im Rausch tot zu Boden sinkt, das Publikum tobt und der Vorhang fällt, dann ist der Musiker unendlich zufrieden. Wo wird es ihm denn sonst geboten, dass er noch vor zehn Sekunden nicht wusste, ob er eine Oper mit dem Titel: “Endstation Sehnsucht“ oder ein Lied über „Kasperles 12. Geburtstag“ komponieren und zur Aufführung bringen muss.

Wenn die Szene völlig daneben geht und das Publikum eisig schweigt, nun gut, ab zum nächsten Spiel, bei dem es bestimmt besser wird. Wenn aber alles geklappt hat, das Publikum rast, dann ist alles gut. Und nach der Vorstellung kommt bestimmt ein Zuschauer auf den Musiker zu und fragt irritiert: "Das war aber jetzt playback, was Sie heute hier gespielt haben, oder?"

Die Bühne als energetischer Raum von Rainer G. Mannich

Die Bühne
Das Phänomen des Energieraumes "Bühne" kann ich an jedem beliebigen Ort installieren und erfahren. Ich muß nur einen Bereich als Bühne deklarieren, sei es in einem Zimmer, auf der Straße, einem freien Platz, in einer Fabrikhalle oder auf einer Bergwiese. Jeder, der dies weiß und akzeptiert, wird sich nicht "normal" fühlen oder verhalten, wenn er diesen "Bühnenraum" betritt. Die alltägliche Routine wird durchbrochen und selbst einfache Abläufe wie sitzen, stehen, gehen, erscheinen zunächst unnatürlich, komisch oder kompliziert. Die Bühne und ihre Energie wirft mich auf mich selbst zurück, gibt mir die Möglichkeit, mich bewußt neu zu erfahren, auf dieser Grundlage zu verändern, ein „anderer“ („etwas“ anderes) zu werden, um Dinge zu tun, die ich sonst nie tun würde. In der Theaterform „ImprovisationsTheater“ nutze ich diese Energie des bewußten Erlebens im „Hier und Jetzt“, um mich zu öffnen, „das andere“ in mir zu entdecken und herauszulassen (zuzulassen), was natürlich auch ein Teil von mir ist, wenn vielleicht auch ein verdrängter, unbewußter Anteil. Um diesen Freiraum, welchen mir dieser besondere „Raum Bühne“ bietet, optimal zu nutzen, ist eine wesentliche Voraussetzung, daß ich HerrIn meiner „Spannung“ werde.

Entspannung - Spannung
Die Energie, welche ich auf und durch die Bühne aktivieren muß, bewegt sich zwischen den Polen „absoluter“ Entspannung und „höchster“ Spannung. Ganz praktisch spürbar für jeden, der schon einmal Theater vor Publikum gespielt hat, in den Momenten bevor er auf die Bühne „muß“. Auf der einen Seite das sogenannte Lampenfieber, welches eine hohe Spannung in ihm entstehen läßt und dem Versuch sich zu entspannen, auf seine Rolle und das, was gleich auf der Bühne geschehen soll zu konzentrieren. Im Spiel pendele ich zwischen den Spannungspolen hin und her, um meine Figur, zum Leben zu erwecken. Den Anstoß zu den Pendelausschlägen geben mir die Impulse, meine eigenen oder die meines Partners. Der Pol der Entspannung ist wichtig um den Impuls (meines Partners) entsprechend seiner Intensität, aufzunehmen und angemessen zu reagieren. Mein Spiel behält seine Natürlichkeit. Der Pol der Spannung ermöglicht mir (und den Zuschauern) zu „zeigen“, daß es mir (meiner Rolle) im Stück um etwas geht, es spannend zu machen. Die Zuschauer, sofern sie offen für unser Spiel sind, spüren das Kraftfeld der Bühne, die in ihm fließenden Energien der Figuren und leben mit uns mit. Das Energiefeld zwischen den beiden Polen ermöglicht mir die Steigerung in meinem Spiel mit den Impulsen. Wie ein Gummiband zieht es mich voran, gibt mir Kraft, Intensität und Ausdruck. Sind beide Pole in mir harmonisch vereint, schwimme ich gleichsam in ihrem Kraftfeld hin und her, befinde mich im Fluß und mein Spiel ist authentisch. Das heißt aber auch: keine Bevorzugung eines der Pole, da sonst „Unterspannung“ oder „Verkrampfung“ drohen. Lerne ich aber diese Pole zu spüren, bewußt wahrzunehmen und zu erzeugen, ihre Intensität zu steigern, sie mir verfügbar und vertraut zu machen, mit ihnen zu spielen, so habe ich gerade auch für „Improvisationstheater“ viel gewonnen. Ich bin besser in der Lage, Ideen meiner PartnerInnen zu verstehen und zu akzeptieren und mit Power darauf zu reagieren.

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»Impuls-Theater-Verlag – Freies Theater«
Impuls-Theater-Verlag
24. November 2017, 17:34 Uhr
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