Schnellsuche
> Erweiterte Suche
Kontakt
Postfach 1147
82141 Planegg
Tel.: 089 8597577
info@theaterverlag.eu
> Impressum, AGB, FAQ
Funktionen
Schriftgröße:
Druckversion
Weiterempfehlen

Improliga Rundbrief: 2. Quartal 2003

1. Quartal 20062. Quartal 20063. Quartal 2006 
1. Quartal 20052. Quartal 20053. Quartal 20054. Quartal 2005
1. Quartal 20042. Quartal 20043. Quartal 20044. Quartal 2004
 2. Quartal 20033. Quartal 2003 
1. Quartal 20022. Quartal 20023. Quartal 20024. Quartal 2002
1. Quartal 20012. Quartal 20013. Quartal 20014. Quartal 2001
 2. Quartal 20003. Quartal 20004. Quartal 2000
1. Quartal 19992. Quartal 1999 4. Quartal 1999
1. Quartal 19982. Quartal 19983. Quartal 19984. Quartal 1998
1. Quartal 19972. Quartal 19973. Quartal 19974. Quartal 1997



Reisebericht German Open Hamburg Anf. April 03

von Sigi. (Die folgenden kursiven Sachen sind persönliches von mir)

Jeden Abend ein kurzes Match eines der 4 Gast-Teams gegen die Brise, zweite Hälfte "Langform" (ah, ich hasse dieses Wort, "Showformat" ist besser. Oder was ganz anderes.) jeweils einer Gruppe.

Isar 148 zeigten "Dichtung+Wahrheit": Ist sehr wie'n Harold, aber mit echten Gedichten oder kurzen literarischen Texten dazwischen als Inspiration. Ich empfinde Harolds ohnehin als anstrengend zu gucken weil sie oft so hektisch+betriebsam sind, vollgepackt mit verschiendensten Informationen und dem Zuschauer bleibt kaum noch Zeit, selbst Bilder oer Verknüpfungen herzustellen.Wenn dann noch relativ anspruchsvolle Texte dazukommen, bin ich überfordert. (Bezieht sich aufs Format, gespielt ham se super)

"Impro-Zen" von Drama Light: Keine "Langform" im engeren Sinn. Es gibt ne (mehr oder weniger) inszenierte Rahmenhandlung: ein "Meister" lässt seine "Schüler" als "Übungen" Szenen bzw. Spiele spielen. Gut gefallen hat mir, ass es Ruhe ins Spiel bringt. Vermisst habe ich inneren Zusammenhand. Seine Existenz wird zwar behauptet, tatsächlich ham die Geschichten aber nix miteinander zu tun.

Emscherblut mit "KomaSamaKuma" (=komm mal, sag mal, kuck mal) und HiddenShakespeare mit (äh, mist, nicht aufgeschrieben, ich glaube einfach "Hotel"): bei beiden Formaten wird zuerst viel Ausgestattet: bei hidden zunächst recht sorgfältig der Spielort ("Was ists für ein Hotel? Eher noben oder einfach? In der Stadt o. aufm Land? Was befindet sich hier, da, dort. Was ist das da am Boden? Wie ist die Athmosphäre?" etc) Bei hidden und emscher Figuren (Beruf, Alter, Name; usw usf.).
Obwohl beide Gruppen ca. gleich lang am Ausstatten gearbeitet haben, kams mir bei Emscher lang vor: über reinen Zufallsgenerator ("wie hieß der Opa mit Nachnamen? Die ersten 2 Ziffern ihrer Festnetznr.? (=Alter) Sind Sie verheiratet?" usf.) hat man als Zuschauer keinen Plan, wo das hinführt.
Bei hidden wußte man schon, wo sie sich treffen werden und die Zuschauer waren auch kreativ gefordert, interessante Figuren zu bauen ("was fällt optisch sofort an ihm aus? Welches Verhältnis zur Arbeit hat sie? Woher kennen sie sich? Was trägt sie in der linken Hand?") Dadurch sprang mein Phantasie-Motor schon an. Bevors eigentlich losging hatte ich schon Filme im Kopf laufen.
Emscher hörte mit Fragen gar nicht auf: "welche 2 treffen sich wo? Was will sie ihr sagen? Was denkt sie? Praktisch im 10-Sekunden-Takt wird das Publikum gefragt. Is quasi ne Mischung aus whatcomesnext und Reigen.
("Nächste Runde: wer mit wem wo?) Für mich wars spannend, weil ich viel beobachtet habe, obs funktioniert bzw ob u. wie die Zuschauer mit ihrer Verantwortung zurechtkommen. Wermutstropfen ist, daß die Spieler durch die ständigen Unterbrechungen gar nicht ins Spielen kommen. Als Zugabe gibt's freeze-tag mit Titel "Ausblick": kurze Clips in die Zukunft der Figuren.
Bei hiddens Hotel wird nur noch selten das Publikum befragt, das aber recht Charmant an eher neuralgischen Punkten, wenn Verwirrung auf der Bühne droht oder die Spieler sich in Sackgassen manövriert haben ("Das muß mir jetzt mal einer erklären: er will die Virus-Epidemie mit dem Damen-Beil bekämpfen?? Wie soll das gehen?")

Jeden Abend sollten die Zuschauer die Langformen bewerten, indem sie Stimmzettel mit 1-3 Punkten abgaben.
Dachte zuerst, das kann doch nicht funktionieren, weil sie den Vergleich mit den anderen nicht haben. Aber auch der (Unterhaltungs)wert an sich scheint wertbar. Habe zwar vergessen, wer wieviel Punkte bekam aber kann mich erinnern, daß ich die Publikums-Punkte-Verteilung ok fand.

Tagsüber gabs Workshöpchen von Kollegen für Kollegen tägl. Einer 3 Stunden.
Das war sehr schön+interessant+lehrreich und gut fir die Stimmung unter den Teilnehmern. Hab leider kaum Notizen..... Außerdem gesehen:
"KaufrauschTurbo": Bei jedem Wechsel sofort im ersten Satz Definition der neuen Situation=Pointe und wieder Wechsel.
"Kafka" ist ne Mischung aus Marlowe und Alptraum
"Schlußmitlustig" als Matchspiel: die beiden Teams stellen sich in Riegen (= Reihen hintereinader) auf, wer n Lacher kriegt wird durch Teamkollegen ersetzt aber gleiche Geschichte wird weitergespielt, verloren hat ds Team, das zuerst "alle" ist.
"MixedReplay" mit den Wdhgen Gereimt/Getanzt/Gesungen.
"IrishSong" ist äh irgendwas wie ein Gstanzl?? Äh naja jedenfalls mit lalajuhu-Refrain.
Kommen wir zu etwas ganz anderem: noch 2 blöde Ideen von mir: 1)mal ausprobieren): "Souffleure" ist ein Publikumsspiel für mutige Zuschauer. Sie spielen, kriegen aber den ganzen Text von ihnen zugeordneten Souffleuren= uns. 2) ein Turnier mit Dreamteams, die über die erlernten Berufe gebildet werden, also "die Juristen" gegen "die Erzieher" gg "die Lehrer" gg "die Ärzte" usw.

Apropo Turnier: gewonnen hat die Brise weil sie waren das Team mit den meisten Punkten: sie haben ihre 4 matches zusammengezählt. Hihi, fand ich witzig.
Wichtigste Erfahrung unterm Strich: während laufender Szenen Zwischenfragen ans Publikum ist geil. Das ist was ganz Besonderes, was es wirklich nur bei live- Impro gibt und wir wären blöd, so ne Stärke zu verschenken.

Sigi Wekerle

 

Sigis Reisebericht vom Berlin- Festival 03:

Allg. war der Schwerpunkt (noch stärker als in den letzten Jahren) auf komplett gemixten shows a la "7 Spieler aus 7 Ländern". Sehr gut funktioniert das Spiel "Jeder in seiner Sprache": jeder tut so, als würde er den anderen perfekt verstehen. (Also wie Gromolo-Switch ohne switchen. Natürlich sind auch diese Szenen vom Englischen dominiert aber niemand merkts i.d.R. , wenn die Slowenin sagt "ich ficke deine Mutter" und die englische Antwort lautet "yes, exactly, let´s do it together")

I.d. "Weibershow" gesehen: "Foto-Charaktere": 3 Fotos werden den Zuschauern gezeigt und diese nach Charakter/Eigenschaften u.s.w. der abgebildeten Personen befragt. 3 Spielerinnen übernehmen dies und halten einen kurzen Monolog in der Figur. Dann Frage ans Pub.: "was haben die 3 gemeinsam?".Fand ich recht inspirierend.
Verbesserungsvorschläge meinerseits: geil wärs, wenn man statt postkartengroßen Fotos Dias hätte. Und ich würde lieber Bilder von Leutn nur von hinten fotografiert nehmen, die Zuordnung Bild zu Spieler fällt leichter, wenn man das Gesicht nicht kennt.

Variation "D. klingt n. e. Lied": Publikum hat Bonbons, wenn einer auf die Bühne fliegt, rufen ALLE: "Tastes like a song". "Non-german-speakers replay": Grundszene auf deutsch, in der replay-szene soll sich eine ganz andere Geschichte ergeben. Funktioniert nur, wenn die replay-Spieler wirklich kein Wort deutsch können.
Wir haben das mal mit Ohren-zuhalten gespielt, also mehrmals nur auf deutsch. Das replay-Team sollte nicht mal die Publikums-Vorgabe kennen! Is lustig!

Allg. viele begeisterte Stimmen über "UnexpectedProd." (u.a. der Luzerner äh, Marcel?): sie seien noch besser geworden als sie eh schon waren. Beim Format "City life" sid reale Erlebnisse der Spieler während des vergangenen Tages Ausgangspunkt. Bei "Campfire" holt man sich seltsame (aber angeblich wahre) Geschichten a.d. Publikum, dann gehts eher assoziativ u. mit viel Erzählen weiter.

Bei "Mister Ratibor" traten 12 Jungs gegeneinander an und wurden Big-Brother-mäßig einzeln vom Publikum rausgewählt, bis nur einer übrigblieb.
War charmant, weil sie das Rauswerfen nicht sehr ernst nahmen. Habs von den Amsterdammern vor 2 Jahren als longform gesehen aber da wars unangenehm weil zu persönlich=privat. Witziges Spiel: Gromolo-Szene mit allen 12, sie sollen sich auf 1 einigen, den sie begründet rausmobben= aus der Szene schicken.
2 Gedichte in 2 sprachen, die "Übersetzung" (in eine Richtung nur) vertanzt. Naja.

Am Abschlußabend mit ca 20 Gästen: stehende Bilder "Berliner Sehenswürdigkeiten". Schön weil a)widererkennbar und b9)kleine extra-Geschischten drin.
Letztes Jahr gesehn, aber in bester Erinnerung: "National Klichees": wie "famyly" macht einer aus dem Thema-Land miep und mäp, die Spieler versuchen, landestypisches zu tun.

Ein erstmaliges(?) aber sehr inspirierendes Experiment scheint Artsports ohne sports, also eine interdisziplinäre Künste-show mit Tänzern, Literaten, Malern und Musikern gewesen zu sein. Habe nur die HdK-Workshops-Abschluß-Präsentation gesehen. a) Literaten müssen wirklich improvisieren, fertige Texte kann man freilich als Inspiration nehmen, aber wenn alle andern improvisieren wirkts luschig= zickig, sich nicht einzulassen. b) zwischen Tänzern und Schauspielern brauchts ne klarere Aufgabentrennung, wenn die Tänzer zu spielen und die Spieler zu tanzen beginnen ists irgendwann ne indifferente Suppe. c)sehr gut hat mir gefallen, auf Overhead-Folie naß in naß zu malen. Die Spieler ,ganz in weiß gekleidet, könner so auch bemalt werden, die Bilder sind sehr dynamisch und leuchten tief.
Bei Artsports war schon immer ein Problem, dass die Schauspieler zu wenig auf Impulse der anderen reagieren. 2 Schritte in die richtige Richtung: 1)Theater+ Maler spielen zusammen "Fuge"(=3 Tote):jedem Spieler wird von den Malern ein Symbol zugeordnet, wenn sie nicht dran sind drehen sie sich um und sehen die Leinwand. 2)Theater+ Musiker: 3 verschiedene Instrumente werden 3 Spielern zugeordnet und inspirieren Charakter und Emotionen.
In der anschliessenden Diskussion zeigte sich, daß insbesondere Tanz und Musik Schwierigkeiten mit der Konkretheit des Szenischen haben: als eher abstrakte Medien laufen sie Gefahr, als rein kommentierend dem Theater untergeordnet zu werden. Auf allen Ebenen ists eine sehr anspruchsvolle und schwere Aufgabe, genug dramatisches Gefühl zu entwickeln.
Arbeits-Ziele z.B.: Bei Theater+ Tanz zusammen sich gegenseitig Raum geben, ständig Focus wechseln. Bei Theater+ Musik zusammen : nach Reibungen suchen, sonst entstehen nie schöne Momente der Gegenläufigkeit wie z.B. hochdramatische Musik während sich Spieler stumm und starr anblicken. Generell glaube ich, daß wir mit Impro eine eigene Kultur haben, die wir auch weitergeben müssen, d.h. wir wollen nicht mit Musikern sondern mit (geschulten) Impro-Musikern, nicht mit Dichtern sondern mit Impro-Dichtern zusammenarbeiten usw. Wenn wir uns zu sehrauf die Ebene der Konventionellen= nicht-impro-Kunst begeben, verscherzen wir uns unsere eigentliche Stärke: zusammenarbeit mit und Empathie des Publikums.

Sigi Wekerle

. . .
»Lachtheater – Impuls-Theater-Verlag«
Impuls-Theater-Verlag
25. November 2017, 06:35 Uhr
info@theaterverlag.eu
http://theaterverlag.eu/34.Improliga_Rundbrief.html?lc%5Bitem%5D=2003-2&PHPSESSID=aebc98932fc21825571700bb240d69c5
Alle Rechte vorbehalten. Veröffentlichung und Vervielfältigung nur mit Genehmigung des Verlages.